09.
Jun
2010

Proinkasso GmbH/Deutsche Telekom AG: Mehr als 10.000 Audiofiles mit sensiblen persönlichen Daten frei im Internet abrufbar

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Vorname, Name, Anschrift, Geburtsdatum, Kontoverbindung, zum Teil auch Telefonnummern - welche Daten hätten Sie denn gern?

Die ehemals in Hanau ansässige, mittlerweile nach Neu-Isenburg umgezogene Proinkasso GmbH und ihr Geschäftsführer Stefan Straßburg sind bundesweit seit längerem berüchtigt als Geldeintreiber für dubiose Forderungen, darunter der sog. Gewinnspielmafia. Die Proinkasso GmbH verweist derzeit in ihren Mahnschreiben im Auftrag dubioser Gewinnspieleintragungsdienste - offenbar zur Erzeugung eines besonders hohen Zahlungsdrucks - über ein passwortgeschütztes Verfahren auf einen Internetserver, auf dem mehr als 10.000 Audiodaten mit sensiblen persönlichen Daten mehrerer Tausend Bürger aus dem gesamten Bundesgebiet zum Abruf bereit stehen. Der Zugang zu sämtlichen Dateien und damit auch den Daten ist aber, wie Experten unter anderem des Antispam e. V. herausfanden, auch ohne notwendige Passworteingabe für jedermann grundsätzlich möglich.

10_00063_Proinkasso_GmbH_Inkassoforderung_Kus__Theissen_GbR_Seite_1Seite 2 eines Mahnschreibens der Proinkasso GmbH für "Die Megachance 24": Verweis auf Tondatei mit hochsensiblen DatenSeite 3 eines Mahnschreibens der Proinkasso GmbH für "Die Megachance 24": Verweis auf Tondatei mit hochsensiblen Daten

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Audiodaten geben scheinbar einen Telefonanruf von Callcenteragenten wieder, die sich als "Kontroll- und Serviceabteilung der Firma PhoenixCall in Zusammenarbeit mit der Firma Die Mega Chance 24" vorstellen. Es handelt sich um einen so genannten Kontrollanruf, in dessen Verlauf das vermeintliche Interesse des Angerufenen am Abschluss eines Vertrages (nochmals) erfragt und durch eine Gesprächsaufzeichnung dokumentiert wird. Die Dateinamen der Audiodateien enthalten zum Teil Vor- und Nachname sowie Wohnort des Angerufenen, teilweise aber auch nur eine (vermutlich die angerufene) Telefonnummer. 

Wie eine erste Stichprobenüberprüfung ergab, dürfte kaum ein Betroffener der Veröffentlichung von derartigen Tondateien im Internet überhaupt je zugestimmt haben. Die Kanzlei Richter bewertet nicht nur die ungenehmigte Veröffentlichung der Dateien als solche als schweren Rechtsverstoß. Auch die wohl unerbetene und anonyme Telefonwerbung - zumal unter Erhebung sensibler persönlicher Daten ohne hinreichende Identifizierung der werbenden bzw. datenerhebenden Person - dürfte klar rechtswidrig sein. Es liegt zudem auf der Hand, dass mit der Veröffentlichung von Namen, Geburts- und Kontodaten unzähliger Personen ohne Installation eines effektiven Zugangsschutzes dem Missbrauch der Daten zusätzlich Tür und Tor geöffnet wurde.

Die Kopie der Inkassovollmacht legt nahe: "Kus & Theissen GbR" ist "Die Megachance 24"Bei der Bezeichnung "Die Megachance 24" handelt es sich - wie sich aus einer der Kanzlei Richter vorliegenden Kopie einer Inkassovollmacht zugunsten der Proinkasso GmbH ergibt - offenbar um die mit belästigender Telefonwerbung bereits massiv auffällig gewordene Krefelder Kus & Theißen GbR der geschäftsführenden Gesellschafter Marcel Theissen und Timur Kus. Sie wird in Mahnschreiben der Proinkasso GmbH als Forderungsinhaber und Auftraggeber der Proinkasso GmbH geführt. Die Kus & Theißen GbR sei "Abwickler" von Gewinnspieleintragungsdiensten, so auch eines Gewinnspieleintragungsdienstes mit folgendem seltsamen Namen:

"Gewinnspieleintragungsdienst der PhonixCall GbR - Sie werden monatlich in 200 Gewinnspiele eingetragen"

Die Kus & Theißen GbR wird andererseits in denselben Schreiben in einen Zusammenhang mit einer nicht näher identifizierten "PhonixCall GbR" gebracht. Ob es sich hier um einen Schreibfehler der industrielles Masseninkasso betreibenden Proinkasso GmbH handelt, ist nicht näher bekannt.

Vergleichbare Mahnschreiben der Proinkasso GmbH unter Verweis auf Tonmitschnitte wurden bundesweit Ende 2009 auch im Zusammenhang mit ähnlichen angeblichen Forderungen einer Schweizer Next Invest AG versandt. Interessanterweise wird in Mahnschreiben gegenüber mindestens einer betroffenen Person betreffend die angeblichen Forderungen der Schweizer Next Invest AG sowie der Kus & Theissen GbR gar auf technisch identische Tondateien verwiesen. 

Die Kanzlei Richter Berlin, die derzeit für mehrere Betroffene gegen die Kus & Theissen GbR, die Proinkasso GmbH und weitere beteiligte Personen unter anderem auf Unterlassung und Schadensersatz in Anspruch nimmt, hat bereits im Vorfeld der Inanspruchnahme wegen der erheblichen Gefährdung öffentlicher Interessen und des nicht fern liegenden Verdachts von Straftaten erheblichen Gewichts die Datenschutz- und Strafverfolgungsbehörden um Prüfung und unverzügliches Einschreiten gebeten. Bislang liegt hier allerdings noch keine Reaktion vor.

Die Domain des Internetservers, auf dem die Daten gehostet sind, weist laut Angaben beim Dienst RIPE darauf hin, dass der betroffene Server der Deutschen Telekom AG gehört. Obwohl die Deutsche Telekom AG im Vorfeld mehrfach über die von ihr angegebenen Kontaktwege auf die massiven Datenschutzverstöße hingewiesen wurde, reagierte sie hierauf bislang in keiner irgendwie erkennbaren Weise.

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Kommentare (2)
1Dienstag, den 16. November 2010 um 14:29 Uhr
Manfred Mayer
Ich möchte Sie darüber informieren, dass Proinkasso auch noch am 5.11.2010 diese Drohbriefe mit Zahlungsaufforderungen verschickt. Adressatin: meine fast 88jährige Mutter, die sich noch schwach an eine Telefonbefragung zur Firma Eurowingroup erinnern kann aber keinen Vertrag unterschrieben hat. Ich habe bei Proinkasso Einspruch erhoben und Vertragsnachweis verlangt. Proinkasso reagierte sofort und verlangte Vollmacht meiner Mutter, dass ich ihre Interessen vertrete. Habe Proinkasso mitgeteilt, daß ich die Berliner Staatsanwaltschaft darüber informiert habe, dass Proinkasso im Auftrag einer des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs überführten Firma Geld eintreibt.
Für Nachfragen erreichen Sie mich über mayer@adk.de
2Mittwoch, den 29. Dezember 2010 um 15:59 Uhr
Sybille Eid
Seit nunmehr einem Jahr versuche ich meinen Vater (72 Jahre, körperlich schwerstbehindert u. a. durch 1 Armamputation und 2 Schlaganfälle)von dem Telefon- und Schreibterror der Gewinnspielmafia zu befreien. Die Dreistigkeit und Skrupelloskeit dieser Unternehmen und der diese vertretenen Inkassounternehmen (u. a. ständig wieder PROINKASSO) kennt hier keine Grenzen. Wer hat noch Tipps, wie man hier vorgehen kann, dass dies endlich ein dauerhaftes Ende findet? Mein Papa lässt sich leider immer wieder in Gespräche am Telefon verwickeln und auch hier kämpfen die Angestellten der Glückspielunternehmen mit allen Mitteln und Möglichkeiten. Dies ging soweit, dass meinem Vater ein schlechtes Gewissen eingeredet dahingehend gemacht wurde, dass eine Angestellte (angeblich geschieden, 2 Kinder) den Job durch ihn verloren hätte, da er nicht an dem Gewinnspiel teilnehmen wollte bzw. einen Widerruf schriftlich vorgenommen hätte. Andere Unternehmen versprechen einen Autogewinn und wollen nur noch die Überführungskosten überwiesen haben bzw. abbuchen. Sämtliche persönlichen Daten meines Vaters werden weitergereicht, immer neue Anrufe und Schreiben, kein Ende in Sicht! Dann meldet sich zwischendurch ein angeblicher Hilfeverein (z. B. Help Hannover) und verspricht meinen Vater gegen Zahlung eines Nachnahmebetrags oder aber auch einer Monatsgebühr von 5,00 Euor die Aufnahme in den Verein und Hilfe. Es geht immer so weiter. Mein Papa klammpert sich an jeden Strohhalm und geht sehr naiv und gutgläubig an die Gespräche. Wenn dann diverse Inkassounternehmen schreiben, setze ich mich mit diesen auseinander und es ist doch erstaunlich wie dreist diese Unternehmen vorgehen. Vielleicht liest jemand meine Zeilen und kann mir raten, ich bin echt am verzweifeln und habe keinen größeren Wunsch als endlich ein Ende dieses "Kasperletheaters". Ernstgemeinte Hilfestellungen gern an meine Email-Adresse s.eid@prevent-trier.de

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