27.
Apr
2010

AG Düsseldorf: Rechtsschutzversicherung muss gerichtlichen Deckungsschutz gegenüber Abofallenabzocke gewähren

Hits
Es ist ja nicht so, dass mein Mandant von der ARAG Allgemeine Rechtsschutz-Versicherungs-AG (ARAG) ein Almosen wollte. Immerhin hatte er immer schön Prämien gezahlt. Als es aber zum Schwur kam, kniffen die Düsseldorfer Maulhelden  ("unabhängig", "Rechtsprofis", "international", "gut") .

Der Mandant hatte eine Rechnung von opendownload, also der einschlägig berüchtigten Content Service Ltd. aus Mannheim bekommen. Nach einer Aufforderung der Kanzlei Richter Berlin auf Aufgabe der Forderung war nicht Ruhe. Vielmehr hatte der mindestens ebenso berüchtigte Abzockerbüttel, Rechtsanwalt Olaf Tank, eines seiner wunderbaren anwaltlichen Mahnschreiben an den Mandanten verfasst. Hiergegen erhob der Mandant auf Anraten der Kanzlei Richter Berlin sofort Klage auf negative Feststellung und gewann letztlich auch den Prozess vor dem Amtsgericht Mannheim. Bevor es jedoch zu einer Entscheidung kam, entspann sich aber auch ein interessanter Streit mit der eigenen Rechtsschutzversicherung des Mandanten, der ARAG.

Die ARAG meinte nämlich, für die völlig unnötige gerichtliche Feststellung des Nichtbestehens der Forderung müsse sie dem Mandanten keinen gerichtlichen Rechtsschutz gewähren. Der solle sich gefälligst gedulden, bis die Abzocker auf Zahlung klagen und sich doch bitteschön nur abwehrend verhalten (übersetzt: und die Flut an schwachsinnigen Mahnschreiben über sich ergehen lassen).

Die Kanzlei Richter Berlin riet daher kurz nach nun auch gegen die ARAG zur Klage auf Gewährung von Deckungsschutz zum Amtsgericht Düsseldorf und verzichtete für diesen ganz besonderen Spass gegenüber dem Mandanten auch freudig auf die sofortige Erhebung eines Anwaltskostenvorschusses, um dem Mandanten die Entscheidung für einen Kampf auch gegen seinen renitenten Rechtsschutzversicherer ein wenig zu erleichtern.

Obwohl das Amtsgericht gleich eingangs des Verfahrens im Kosteninteresse ein Anerkenntnis nahe legte, sperrte sich die ARAG und beantragte Klageabweisung (Motto: Macht ja nix, sind ja bloß die Gelder der doofen "Versichertengemeinschaft"). Zur Begründung führte die ARAg dann an, es handele sich bei der beabsichtigten negativen Feststellungsklage um eine Obliegenheitsverletzung des Mandanten, die zum wegen unnötiger Kostenerhöhung zum diesbezüglichen Verlust des Versicherungsschutzes führte. Es sei nicht Aufgabe der Versichertengemeinschaft, dass Versicherte auch im Interesse der Gesamtbevölkerung zum Gegenangriff gegen die Abofallenabzocker übergehen. darauf, dass diese Variante womöglich billiger sein könnte, als hunderttausenden Mandanten zigfach außergerichtlichen Rechtsschutz gegen die Gauner zu gewähren, kam man übrigens offenbar ebensowenig, wie darauf, dass es womöglich für den Mandanten und zahlenden Versicherungsnehmer unzumutbar sein könnte, sich monate- oder gar jahrelang irgendwelchen Mahnungen und Drohungen mit Klagen und anderen Nachteilen (Schufa-Einträgen o. ä.) ausgesetzt zu sehen.

Als zwischendurch der Mannheimer Prozess gewonnen und alle angefallenen Prozesskosten dann auffällig schnell von der Content Services Ltd. ausgeglichen wurden, war damit auch vor dem Amtsgericht Düsseldorf der Streit in der Hauptsache erledigt. Er wurde also übereinstimmend, d. h. von beiden Parteien für erledigt erklärt; das Gericht musste noch gem. § 91a ZPO über die Kosten entscheiden. Diese erlegten es nun vollumfänglich wegen vollständiger Aussichtslosigkeit der Position der ARAG dem Düsseldorfer Rechtsschutzversicherer auf. Ein weiteres Zuwarten sei dem Mandanten jedenfalls nach fruchtloser Aufforderung zum Forderungsverzicht (genauer: zur sog. "Berühmung" hinsichtlich der Forderung) und dem nachfolgenden Schreiben des Rechtsanwalts Tank nicht mehr zuzumuten gewesen. Die Entscheidung ist schon allein im Hinblick auf den Duktus betreffend die Mannheim Content Services Limited ("Internetabzocker") recht lesenswert.

(Amtsgericht Düsseldorf, Beschluss vom 26.03.2010, nicht rechtskräftig, Volltext )
Share on Myspaceflodjis-web.deVZ Netzwerke

Diesen Artikel auf Ihrer Seite zitieren

Um einen Zitat-Link dieses Artikels zu erzeugen,
bitte nachfolgenden Text in Ihre Seite kopieren.




Preview :


Powered by QuoteThis © 2008

Verwandte Artikel:

Kommentar hinzufügen

Ihr Name:
Kommentar:
  Sicherheitscode zur Prüfung. Nur Kleinschreibung. Keine Leerzeichen.
Sicherheitscode-Prüfung:
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
prev
next

Medizinerprüfung: Nette Fragestellung im Hammerexamen 2011

Vielen angehenden Medizinern jagt eine Abkürzung einen leichten Schauer über den Rücken: IMPP. Das Institut für medizinische  und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) stellt Prüfungsfragen und ist landauf landab einigermaßen berüchtigt für manchmal nicht nur anspruchsvolle, sondern teils auch dem Ausbildungsstadium nicht entsprechende, weil zu schwierige oder auch einfach schwer verständliche Fragestellungen in medizinischen Prüfungen. Im Fragenkatalog der diesjährigen der 2. Ärztlichen Prüfung, dem seit der Neuordnung der Approbationsordnung geschaffenen "Mediziner-Martyrium" und so genannten Hammerexamen, machte das Mainzer Institut seinem Ruf wieder einmal alle ... Mehr ...

Verwaltungsrecht | Montag, 9. Mai 2011

BGH VIII. Zivilsenat: Volle Kraft zurück bei der Anrechnung außergerichtlicher Kosten

Der VIII. Zivilsenat des BGH gibt seine umstrittene Rechtsauffassung zur Anrechnung der Geschäftsgebühr auf die Verfahrensgebühr aus dem Urteil vom 07.03.2007 zum Aktenzeichen VIII ZR 86/06 wieder auf und geht von der Anwendung des § 15a RVG auch auf Altfälle auf. Mehr ...

Zivilprozessrecht | Dienstag, 5. Oktober 2010

AG Düsseldorf: Rechtsschutzversicherung muss gerichtlichen Deckungsschutz gegenüber Abofallenabzocke gewähren

Es ist ja nicht so, dass mein Mandant von der ARAG Allgemeine Rechtsschutz-Versicherungs-AG (ARAG) ein Almosen wollte. Immerhin hatte er immer schön Prämien gezahlt. Als es aber zum Schwur kam, kniffen die Düsseldorfer Maulhelden  ("unabhängig", "Rechtsprofis", "international", "gut") .... Mehr ...

Versicherungsrecht | Dienstag, 27. April 2010

LG Stuttgart: Außergerichtliche Anwaltskosten vor Kündigungsschutzverfahren von RSV zu erstatten

Die Württembergische Gemeinde-Versicherung a.G. (WGV) wollte es unbedingt wissen: Auch das Landgericht Stuttgart hat der Rechtsschutzversicherung nun ins Stammbuch geschrieben, dass ein rechtsschutzversicherter Mandant mit der Beauftragung eines Rechtsanwaltes zur außergerichtlichen Vertretung vor Erhebung einer Kündigungsschutzklage keineswegs generell pflichtwidrig handelt.... Mehr ...

Versicherungsrecht | Mittwoch, 24. März 2010

BGH: § 15a RVG auf Altfälle anwendbar

Der 2. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass die neu eingeführte Regelung des § 15a RVG, der die umstrittene Frage der Anrechnung außergeirchtlicher Gebühren auf Gebühren nachfolgener gerichtlicher Tätigkeit eines Anwalts regelt, auch auf Altfälle anwendbar ist. Mehr ...

Zivilprozessrecht | Dienstag, 22. September 2009

AG Stuttgart: Außergerichtliche Anwaltskosten vor Kündigungsschutzverfahren erstattungsfähig

Das Amtsgericht Stuttgart hat nunmehr klargestellt, dass ein rechtsschutzversicherter Mandant keineswegs bei Beauftragung eines Rechtsanwaltes durch einen rechtsschutzversicherten Mandanten mit der außergerichtlichen Vertretung vor Erhebung einer Kündigungsschutzklage generell pflichtwidrig handelt.... Mehr ...

Versicherungsrecht | Dienstag, 8. September 2009

SG Magdeburg: Abwrackprämie nicht auf ALG II anzurechnen

Das Sozialgericht Magdeburg hat entscheiden, dass die staatliche Abwrackprämie nicht auf die Hartz IV-Grundsicherung anzurechnen ist. Mehr ...

Sozialrecht | Samstag, 25. Juli 2009

Stadt Rostock: Rechtswidrige Entsorgungsauftragsvergabe nach dem Prinzip Augen zu und durch

Nach einer von der Kanzlei Richter Berlin erhobenen Beschwerde an die Europäische Kommission aus dem Jahre 2007 wurde nunmehr ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen der Praxis der Vergabe öffentlicher Aufträge zur Abfallentsorgung durch die Stadt Rostock eingeleitet. Mehr ...

Vergaberecht | Freitag, 13. März 2009

VG Braunschweig: Keine GEZ-Gebühr für Verwaltungs-PC eines Vereins ohne nachgewiesene Nutzung für Rundfunkempfang

Das Verwaltungsgericht Braunschweig hat erneut gegen die GEZ entschieden. Auf die Klage eines Vereins aus Peine, der seinen PC unbestritten nur zu Verwaltungszwecken vorhält, wurde ein entsprechender Rundfunkgebührenbescheid aufgehoben. Mehr ...

Steuern und Abgaben | Samstag, 21. Februar 2009

VG Wiesbaden: Keine Rundfunkgebühren für gewerblich genutzten Internet-PC

Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat die Forderung der GEZ-Nachzahlung von Rundfunkgebühren für einen gewerblich genutzten Internet-PC eines EDV-Fachmanns aus Eltville zurückgewiesen. Mehr ...

Steuern und Abgaben | Samstag, 21. Februar 2009

Rechtsgutachten: Schulgesetz in Mecklenburg-Vorpommern verfassungswidrig

Nach einem Rechtsgutachten des ehemaligen Richters am Bayerischen Verwaltungsrechtshof Ludwig Renck ist die Praxis an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern, nach der Schüler, die keiner Kirche angehören, entweder an einem Religionsunterricht teilnehmen oder sich zumindest abmelden müssen, ... Mehr ...

Verwaltungsrecht | Mittwoch, 10. Dezember 2008

BGH: Kein Wertersatz für die Nutzung mangelhafter Ware bei Ersatzlieferung

Der Bundesgerichtshofes hat entschieden, dass bei einem Verbrauchsgüterkauf im Falle der Ersatzlieferung für eine mangelhafte Ware entgegen dem Wortlaut des Gesetzes kein Wertersatz für die Nutzung der mangelhaften Kaufsache verlangt werden kann. Mehr ...

Kaufvertragsrecht | Mittwoch, 3. Dezember 2008

BGH: Nur beschränkte gerichtliche Billigkeitskontrolle bei Gaspreiserhöhungen

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass die Billigkeit einer Tariferhöhung durch den Versorger bereits dann schlüssig vorgetragen ist, wenn er für den maßgeblichen Zeitraum darlegt, dass sich seine Bezugskosten entsprechend erhöht haben und nicht durch einen Rückgang sonstiger Kosten der Gasversorgung ganz oder teilweise ausgeglichen worden ... Mehr ...

Kaufvertragsrecht | Donnerstag, 20. November 2008

SG Dresden: Volle ALG-II-Wohnkostenerstattung für WG-Mitglied

Wie der Kieler Kollege Felsemann unter Berufung auf eine Pressemitteilung berichtet, hat das Sozialgericht Dresden bekräftigt, dass Mitglieder einer (bloßen) Wohngemeinschaft nicht wie eine Lebensgemeinschaft behandelt werden dürfen. Mehr ...

Sozialrecht | Donnerstag, 30. Oktober 2008

LSG Darmstadt: Hartz IV für Familien unterhalb des Existenzminimums

Die Pauschalierung von ALGII-Leistungen führt in einzelnen Fallkonstellationen dazu, dass die Leistungen auf ein verfassungswidrig niedriges Niveau festgelegt sind. Mehr ...

Sozialrecht | Donnerstag, 30. Oktober 2008

BSG: ALG-II-Bezug nur bei Vorlage von Kontoauszügen

Das Bundessozialgericht hat mit Urteil vom 19.09.2008 entschieden, dass Kontoauszüge vorzulegen sind, der Antragsteller aber gegebenenfalls anonymisieren darf. Mehr ...

Sozialrecht | Freitag, 19. September 2008

SG Stuttgart: Rückforderung von ALG-II nach Rechenfehler des Jobcenters rechtswidrig

Nach einer Entscheidung des Sozialgerichts Stuttgart ist eine Rückforderung von ALGII-Leistungen dann rechtswidrig, wenn die fehlerhafte Leistungsgewährung allein auf einem Irrtum des Jobcenters und nicht etwa auf Fehlangaben des Leistungsbeziehers zurückzuführen war. Mehr ...

Sozialrecht | Sonntag, 24. August 2008

Die Schwarzen Listen des Companies House

Das britische Handelsregister Companies House in Cardiff (Wales) veröffentlicht wöchentlich die Listen der Unternehmen, die aus dem Handelsregister gelöscht werden oder glöscht werden sollen. Mehr ...

Gesellschaftsrecht | Donnerstag, 21. August 2008

VG Freiburg: Glücksspielmonopol: Intensiv beworben, unzureichend beaufsichtigt - europarechtswidrig!

Das Verwaltungsgericht Freiburg hat entschieden, dass die Ausgestaltung des Glücksspielmonopols in Baden-Württemberg durch die Toto-Lotto GmbH nicht europarechtskonform und daher eine Untersagung der Tätigkeit privater Sportwettenanbieter rechtswidrig ist. Mehr ...

Gewinn- und Glücksspielrecht | Freitag, 15. August 2008

OVG Koblenz: Keine Zweitwohnungs-Steuer bei Nebenwohnsitz am Studienort

Das Oberverwaltungsgericht Koblenz hat entschieden, dass ein Student, der an seinem Studienort einen Nebenwohnsitz nimmt, nicht zur Zahlung einer Zweitwohnsitzsteuer herangezogen werden darf. Mehr ...

Steuern und Abgaben | Sonntag, 10. August 2008

EuGH: BGB-Regeln zum Wertersatz europarechtswidrig

Nach Auffassung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) ist § 346 BGB, der den Anspruch des Verkäufers auf Wertersatz bei Rückabwicklung eines Kaufvertrages wegen Mangelhaftigkeit der Kaufsache nicht mit europäischem Recht vereinbar. Mehr ...

Kaufvertragsrecht | Donnerstag, 17. April 2008

BGH: Schadensersatz bei unberechtigtem Mangelbeseitigungsverlangen des Käufers

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass ein erkennbar unberechtigtes Mangelbeseitigungsverlangen eines Käufers gegenüber dem Verkäufer zum Schadensersatz wegen der vom Verkäufer aufgewandten Anspruchsabwehrkosten führen kann. Mehr ...

Kaufvertragsrecht | Sonntag, 27. Januar 2008

LG Berlin: Schlag mit dem Bierglas ins Gesicht - 4.000 EUR Schmerzensgeld

Das Landgericht Berlin hat in einem Schadensersatzprozess wegen vorsätzliche Körperverletzung durch einen Schlag mit einem Bierglas ins Gesicht auf ein Schmerzensgeld in Höhe von EUR 4.000 erkannt. Mehr ...

Schadensersatzrecht | Dienstag, 10. Juli 2007